Fehlermachen will gelernt sein – von Soziologie, Erwartungen und Problemanalyse

Nach viel Zurückweisung und Enttäuschungen läßt manch Einer bei einem erneuten Fehler doch schließlich den Kopf hängen und fühlt sich keiner Herausforderung mehr gewachsen. Wenn man scheitert, brennen sich negative Gefühle ins Unterbewußtsein ein, ob im Privaten oder Beruflichem. Möglicherweise hast du dich in einer Ausweglosigkeit befunden und trautest dir nichts mehr zu, bist depressiv geworden. Dann kann jede Auseinandersetzung mit Fehlern ein dumpfer Hieb sein. Doch Fehler zu machen ist erstmal grundsätzlich nichts Schlimmes, im Gegenteil, es ist etwas Nützliches, aus dem heraus man seinen Handlungsspielraum abtasten und erweitern sollte. Irrtümer über die Voraussagbarkeit versetzen einen erstmal überhaupt in die Lage, Zusammenhänge zu erkennen – denn der Mensch mustert immer halbbewußt alles was sich um ihn herum abspielt und gleicht seine Erwartungen zu dem Geschehen mit den realen Veränderungen ab.

Oft wird einem heutzutage nahegelegt, dass man mit intuitivem Assoziieren an Probleme herangehen soll, sich von Denkmustern lösen sollte. Ja, dadurch kann man möglicherweise kreative Lösungswege finden. Doch wenn man jede mögliche Lösung berücksichtigt, dann kann man bei komplexen Problemen die Uneindeutigkeit der Lage nicht mehr überblicken. Oft ist es wirksamer, Denkmuster oder konventionelle Lösungen heranzuziehen. Wenn du dich also in der Lage fühlst, bestimmte Rahmenbedingungen und Elemente zu identifizieren, denen etwaige Lösungswege gehorchen, kannst du Probleme produktiver lösen. Denn dann suchst du gezielt in genau der Schublade, in der sich die Antwort auch befinden muss. Dadurch lassen sich viele nicht umsetzbare Lösungsideen von vornherein ausschließen, schon bevor bestimmte Mängel auf dem Lösungsweg bemerkbar werden würden. So hast du den Blick frei für tatsächlich umsetzbare Alternativen.

Problemanalyse kann für etwas zerfahren denkende Menschen ein sinnvolles Trainingsthema sein, weil man hier konkret an der Handlungskontrolle schrauben kann. So kann eine Kurzschlußreaktion verhindert werden und es können Konsequenzen einbezogen werden, man kann länger an einer Sache dranbleiben, da man sie als bewältigbar erkennt.

Normalerweise sind nur rudimentäre Representationen von Regeln in sozialen Situationen gebräuchlich. Zu viele Was-Wäre-Wenn-Regeln und theoretische Psychologie würden wahrscheinlich zu einer geistigen Abwesenheit führen. Man hätte also wenig Nutzen davon.

Trotz Beanspruchung geistiger Reserven ist dies eine langfristig grüne Richtung, um seine Fähigkeiten auszubauen und ohne zu große Umschweife, alltägliche Gegenstände zu bewältigen.

Der ideale Problemlösevorgang muss auch wirklich als ein Weg angesehen werden, in welchem man Zwischenergebnisse festhalten und gegebenfalls eingreifen muss. Analogien von Problemen, die einem schon aus der Erfahrung bekannt sind, muss man genau auf ihre Bedingungen zerlegen, damit man alle wichtigen Einflüsse einkalkulieren kann, das ist der Nachteil. Andernfalls gibt es im sozialen Zusammenhang keine idealtypischen Situationen, auf die man theoretische Regeln passgenau anwenden könnte, daher werde ich hier nicht auf zu stark festgelegte Lösungsmodelle setzen, sondern auf psychologische Bedingungen die richtungsweisend sein können:

  • Ist man von seinem persönlichen Urteil sehr überzeugt oder neigt man bsw. Aus Konkretisierungsschwierigkeiten heraus zu schnellen entgültigen Urteilen, dann misst man vielleicht anderer Urteile mehr Gültigkeit bei und ist aus diesem Grunde verunsicherter, wenn Kritik gegenüber dem eigenen Verhalten geäußert wird.
  • Faustregeln im Alltag sollte man der Prüfung unterziehen, ob sie Bedingungen berücksichtigen und nicht nur auf Ähnlichkeit basieren. Das ist für die Objektivität von Urteilen wichtig. 
  • Das Leben ist in seiner Situationsvielfalt mit Spielregeln gepflastert, und auch das Verhalten anderer wird für gewöhnlich durch Raster hindurch bewertet. Der Großteil unserer Begegnungen mit anderen folgt vorgespurten Linien fester gegenseitiger Erwartungen. Zwar machen schematische Verhaltensregeln, verfestigte Machtverteilungen sowie Sitten und Gewohnheiten den Alltag ziemlich langweilig, und wir fühlen uns möglicherweise eingeengt, doch sollten sie uns in den täglichen Entscheidungssituationen dazu befähigen handeln zu können und entlastend wirken, bzw unter durchschnittlichen Bedingungen die eigene Handlungssouveränität erhöhen. Diese Hilfsmittel im Hintergrund sollen nun den psychologischen Operatoren gegenübergestellt werden.
  • Mit Operatoren meine ich die „Verhaltensabmessungen“, die ein besseres Aufeinandereingehen in Verbindung mit der Herantragung eigener Erwartungen an den Gegenüber bedeuten. Darauf komme ich im Weiteren noch zurück.
  • Im Größeren sind wir Teile sozialer Systeme Diese soziale Welt charakterisiert, dass sie ein strukturiertes Gebilde ist, das in hochkomplexer Weise aus unzähligen Gewebsmustern vernetzt ist und das auf unterschiedliche Weise unsere Beziehungen zueinander bestimmt. In der Regel handeln Menschen aber eben nach bestimmten „Rezepten“, die sie als ihre Erfahrung absegnen, und aus dessen Gesichtsfeld sie sich ihrer Urteilsfähigkeit sicher wissen.
  • Bei der Konfrontation mit einem Alltagsproblem tragen wir immer bestimmte Vorstellungen über seine Ursachen heran, und diese Ursachenheranziehung ist auch grundlegend bei der Übertragung dieser Modelle auf andere Probleme. So werden Menschen in ihrer Einschätzung oft von Ableitungsfehlern gestört. Ein Beispiel, das ich etwas zusammengereimt habe:              Im Wartezimmer. Ein redegewandter Mann, der mich unverbindlich aber entschlossen anspricht und in ein Gespräch verwickelt. Im Laufe dessen erfahre ich, dass er Anwalt ist. Stracks bin ich der Überzeugung, dass es vorhersehbar war. Ich hätte mir in diesem Moment nichts anderes vorstellen können, da man redegewandt und entschlossen sein muss, um sich als Anwalt behaupten zu können. Das ich es mit keiner Fachidiotie zu tun hatte, konnte ich in diesem Zusammenhang wie auch immer nicht erahnen. Ich speichere also ab, dass der Grund für sein Verhalten der Beruf ist und gleichzeitig erzeuge ich ein erweitertes Bild von Anwälten im Allgemeinen, alle Anwälte sind ja so und so. Dabei fällt mir ein, wie egoistisch doch der neue regelmäßige Besucher meines Nachbars ist, und unbewußt werfe ich hier zwei Dinge in den selben Topf: Alle Anwälte müssen egoistisch sein, da Entschlossenheit auch ein Ausblenden Anderer Interessen mit einschließt. In diesem Moment kümmert mich herzlich wenig, dass der Anwalt regelmäßig sein Äußerstes für Menschen gibt, die zu Unrecht vor Gericht geladen werden. Außerdem blende ich gleichzeitig aus, dass er mich soeben interessenlos zu einem netten Gespräch animiert hat.                                               |Dieser Schlußfolgerung entsprechend werden auch im Hinblick auf bestimmte Probleme in der Regel kaum sorgfältig abgewogene Gedanken und präzise Kausalketten entwickelt, sondern eher spontan, für „richtig“ gehaltene Deutungen der Situation, die für uns „wirklich so ist“ zum Ausdruck gebracht. Die Alltagsprobleme werden von der eigenen Perspektive aus wahrgenommen und von den eigenen Werten, Normen und Überzeugungen her beurteilt. Ausgangspunkt ist jeweils das eigene für vollkommen „selbstverständlich“ gehaltene Bezugssystem.
  • Ein weiterer psychologischer Tatbestand ist, dass Menschen ihre Erklärungen und Aussagen auf ihre situationsabhängigen oder von Überzeugungen bestimmten Interessen maßschneidern. Und hier müssen eben auch mal die Mäntel gewechselt werden. Zum Beispiel beim effektiven Perspektivwechsel. Nicht jedem Menschen fällt es leicht, eigenes Verhalten optimal anzupassen und das Verhalten anderer genau einzustufen. Hier sind vielleicht noch die Grade dieser Anpassung zu berücksichtigen, je nachdem ob sie soziologischer oder persönlicher Art ist. Beim zwischenmenschlichen Begegnen sind hier die persönlichen Perspektivwechsel viel realistischer. Geht es dir genauso, aber du möchtest dich nicht auf Unfähigkeiten festnageln lassen? – Trau dich zu beobachten!
  • Es kann sehr hinderlich sein, wenn deine „Erklärungen“ von den durch das Problem ausgelösten eigenen Gefühlen und Eindrücken überlagert und meist gar unbewußt gesteuert werden.
  • Oft werden dem Verhalten anderer Eigenschaften zugeschrieben, die nunmal so sind, während man selber von anderen fordert, die Bedingungen und Erfahrungen zu berücksichtigen, unter denen man sich gerade oder im Allgemeinen befindet. Geht es dir auch so, dann solltest du dich versuchen daraus zu lösen, indem du anderen gegenüber mehr Verständnis zugestehst. Dadurch wirst du dann selbst toleranter gegenüber unklugem Verhalten anderer.

Wenn dies für dich selbstverständlich ist, weil du dich über die Vielfalt von Gefühlszuständen bewußt bist, so solltest du dennoch berücksichtigen, dass dein Gegenüber nicht unbedingt selbst weiß, dass er von Gedankenenge betroffen ist, und solltest dich nicht arrogant verhalten.

Soziologische Maßstäbe öffnen die Verständnisbereitschaft für gesellschaftliche Zusammenhänge, und Psychologische Stratgien geben praktische Anhaltspunkte. Diesmal bin ich nicht über etwas allgemeinere Gesichtspunkte hinausgekommen. Spezielle Blogbeiträge, in welchem ich Schwierigkeiten weiter ausbaue, werden aber folgen.

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